da das nächste Thema meiner Veröffentlichung mich etwas mehr in Anspruch nimmt und ich momentan zeitlich recht eingenommen bin, gibt es heute eine alte Kurzgeschichte, die ich während meines Frankreichaufenthaltes geschrieben habe. Für mich persönlich ist sie immer noch von Bedeutung, weil sie eine Grundsatzentscheidung beinhaltet. Außerdem schaue ich, dass ich noch ein paar kurze Gedichte mitveröffentliche. Ansonsten geht es mir hier nach wie vor sehr gut. Ich habe mich zwar akklimatisiert, aber ich schwitze immer noch wie am ersten Tag. Mein Indonesisch macht positive Fortschritte, das Missen von alltäglichen Dingen aus Deutschland hält sich arg in Grenzen, die Menschen in Karanganyar kennen mich mittlerweile und ich genieße die kleinen Dialoge mit ihnen, ich erfreue mich nach wie vor am Austauschen von Lächeln, die Kinder mögen mich und ich sie, wir haben unser Spielerepertoire erweitert und ich genieße den geistigen Austausch mit den anderen Freiwilligen.
Liebe Grüße Paul
Das Nichts
Ich wusste nicht was ich bin. Ein undefinierbares Etwas, das
sich auf einer grauen, dreckigen Schmutzschicht befand und in einer breiten,
unaufhaltbaren Masse mittrieb. Ich war mir nicht ganz sicher wo ich hier war.
Von Anfang an war alles um mich, wie von Geisterhand gewollt, verschwommen und
ich nahm grelle Lichter war, die mich aus irgendeinem Grund furchtbar quälten.
Während ich mich in dieser grauen Masse befand, nahm ich vereinzelte, am Boden
kauernde Objekte war, die mit hilfesuchendem Blick zu denen aufsahen, die mich
immer weiter schoben. Diese jedoch waren damit beschäftigt den grellen Lichtern
zu folgen oder sich nach wenigen Sekunden stinkende, längliche Stängel in eine
obere Öffnung zu stecken. Schon jetzt war mir klar, dass, wo auch immer ich
hier war, dies kein Ort zum Wohlfühlen ist, zumal sich ein reservierter, aber
dennoch eindringlicher Sog entwickelte. Trotzdem versuchte ich daraufhin diese
Objekte genauer zu betrachten. Sie waren im Gegensatz zu denen auf der
Dreckschicht sich allerdings so sehr ähnlich, dass es mir unmöglich erschien
sie weiter zu unterscheiden. Alle wedelten jedoch mit bekritzeltem, glänzendem,
dünngepresstem Mammon um sich und machten hässliche Geräusche. Dieser Mammon
schien von äußerst hoher Bedeutung zu sein, war er doch der Grund für diesen
mittlerweile unbegreiflich starken Sog, der mich nicht ruhen ließ, sondern
versuchte mich zu verschlingen. Allmählich wurde mir das ganze unheimlich. Ich
wusste nicht wo ich war, mir gefiel es hier ganz und gar nicht und dann war da
noch dieser beschissene Sog, der mich immer näher zu einer riesigen, schwarzen
Öffnung brachte. Um mich herum türmten sich nun gigantische Blöcke aufeinander,
die eine extreme, äußerst dehnbare Langeweile versprühten, wodurch ich mitten
in die dreckige Schicht fiel und die Verschwommenheit immer schlimmer wurde.
Ich nahm fast nichts mehr war, sah nur noch das beängstigende, immer größer
werdende schwarze Riesenloch und spürte den gigantischen Sog. Ich wusste zwar
nicht genau was ich war, aber dennoch sprach eine helle, klare Stimme in mir,
dass dieses Loch mein Ende bedeuten würde. Ich wehrte mich also mit allen
Kräften, wendete mich hin und her und versuchte dem grausigen Sog zu
widerstehen, der im Einklang mit diesem Loch mein Schicksal besiegeln wollte.
Doch es half alles nichts. Kurz drauf lag ich verkrümmt unter der breiten Masse
und starrte mit Ehrfurcht in das schwarze Loch, welches sich als
furchteinflößender Abgrund vor mir erstreckte. Der Sog hatte urplötzlich
aufgehört, doch die Objekte, die den grellen Lichtern gefolgt waren und mit dem
Mammon wedelten, sprangen alle nacheinander in das gähnende schwarze Loch. Von
diesem Loch ging eine solche ohnmächtige, isolierende, stumpfe Leere aus, dass
mir auf einmal völlig klar wurde. Die Verschwommenheit löste sich
augenblicklich auf und mich ergriff eine solch unbegreifliche Angst vor diesem
Loch, sodass ich mich von der Dreckschicht erhob, mich umdrehte und dem vor mir
gierig wartendem Sog den Kampf bis an mein Ende schwor, denn keine mir erdenkliche
Erscheinung würde mich jemals ins Nichts bringen.
Das Nichts
Empören
Wo Gefühl ist Kälte
und Menschenliebe Schelte.
Wo Denken ist verpöhnt
und Konsum gewöhnt.
Wo Gewalt ist gang und gebe
und Gleichgültigkeit lebe,
müssen wir uns hören
und endlich wieder empören.
inspiriert durch die Streitschrift: "Empört Euch!", von Stéphan Hessel und das Buch von Konstatin Wecker und Bernard Glassmann: "Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Engagement aus Wut und Zärtlichkeit."
Ich bin nicht frei
In mir hallt ein lauter Schrei,
ich bin nicht frei.
Ich gieße, genieße, sprieße
während
Blut anderer fließe
und Not nebst Elend triefe.
Ich darf nicht abheben,
unbekümmert Freiheit leben
denn
es liegt der Weg vor mir,
nicht zuletzt
auch vor dir.
Dieses Gedicht zu dem Blogeintrag Engagement, Kultur und Gedanken.
leben und gelebt
werden
ich wollte versuchen
zu lächeln
ich wollte versuchen
zu nicken
ich wollte versuchen
zu akzeptieren
nichts gelang
denn ich wollte nicht gelebt werden
Ein älteres Gedicht, aber ebenso wie die Kurzgeschichte mit einer wichtigen Grundsatzentscheidung. "Mit dem Wissen wächst der Zweifel." - Johann Wolfgang von Goethe

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