ich hoffe Ihr hattet alle einen guten Start ins neue Jahr. Wie im letzten Blogeintrag erwähnt, habe ich nun zwei Wochen und ein paar gequetschte Tage in Kambodscha verbracht, um mein Visa zu verlängern und Urlaub zu machen. In diesem Blogeintrag möchte ich Euch von meiner Reise berichten. Es handelt sich dabei lediglich um meine Eindrücke, die keinerlei allgemeingültige Wahrheiten darstellen.
Wohl ein erleichterndes Utensil für diese Reise war der Reiseführer, den mir meine Eltern geschickt hatten und aus dem ich meine Beschreibung mit einem Zitat beginnen möchte: " Aufstieg ins Reich der Götter in Ankor Wat, Abstieg in die Hölle in Tuol Sleng - dank seiner inspirierenden wie auch tragischen Geschichte ist Kambodscha ein fesselndes Erlebnis für abenteuerlustige Reisende."
Da wir, Maris, Wiebke, Michi/Michel und ich (alle samt Freiwillige), wohl mehr oder weniger abenteuerlustig sind, sollte Kambodscha in der Tat ein spannendes, vielseitiges, fesselndes Erlebnis werden. Nach einer kalten Nacht an dem nicht ganz so wohltemperierten Flughafen in Singapur, wohl aber einer der bis dato saubersten Plätze in meinem Leben, sind wir zwei Tage vor Silvester in der Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh gelandet. Im Gegensatz zu Indonesien ist die Luftfeuchte nicht ganz so hoch und die Temperaturen weniger heiß, sodass mir das neue Klima, nach nicht endenden Schweißfilmen in Indonesien, als erstes, allerdings nicht letztes, ans Herz gewachsen ist. Unsere Unterkunft, namentlich Blue Dog Guesthouse, bot uns einen willkommenen, freundlichen Start in unser Abenteuer. Doch vor aller Kür, musste natürlich die Pflicht erledigt werden, der Ursprung unserer Reise, sodass wir am nächsten morgen gleich zu indonesischen Botschaft gefahren sind, um die Formalien zu erledigen. Dies hat alles reibungslos funktioniert und am Ende unserer Reise waren und sind wir alle stolze Besitzer unsere Pässe mit neuem Visa für die nächsten vier Monate Indonesien. Phnom Penh hat mich ab der ersten Minute "gefressen". Es hat eine wunderbare Lage am Ufer des Mekong, ist übersäht mit Sehenswürdigkeiten, bietet Gaumenschmaus aller Art und hat ein illustres, lebhaftes Nachtleben, wo jeder Lebensgeist seine Stätte finden wird. Phnom Penh steht stellvertretend für den wirtschaftlichen Aufschwung Kambodschas und Parks, schicke Viertel, entstehende Hochhäuser zeugen davon. Besonders bemerkenswert, was sich durch den ganzen Urlaub fortziehen sollte, waren die sozialen Projekte, die sich überall finden lassen - sei es ein Restaurant, das ehemaligen Straßenkindern den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht oder Klamotten, die von ehemaligen Prostituierten hergestellt und verkauft werden. Generall habe ich in Phnom Penh das Gefühl gehabt, dass hier ein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit existiert und wächst. Das typische Touristen - Fortbewegungsmittel ist das Tuk - Tuk. Ein Motorrad mit einem kleinen, gemütlichen Anhänger. Direkt vor unserer Unterkunft fanden wir einen extrem netten Fahrer vor, der uns zwei Tage lang zu diversen Sehenswürdigkeiten gefahren hat und gerne mit uns gelacht hat. So haben wir uns unteranderem den Wat Phnom angeschaut, ein Tempel auf dem einzigen Hügel der Stadt, den russischen Markt besucht, auf dem sich so ziemlich alles finden lässt, von Klamotten über Uhren bis hin zu Pfeifen und Buddha- Statuen und einen Nachmittag im Tuol Sleng Museum verbracht. Letzteres war das größte Gefängnislager und eine grausame Folterstätte zur Zeit der roten Khmer.(http://www.planet-wissen.de/laender_leute/suedostasien/kambodscha/kambodscha_rote_khmer.jsp, http://de.wikipedia.org/wiki/Tuol-Sleng-Genozid-Museum)
Dieser Besuch ging tief unter die Haut und klingt immer noch nach, liefern die vielen Bilder, Fotografien und Räume doch eine ziemlich wahrhaftige Erfahrung der Schmerzen und Qualen, die die inhaftierten Menschen hier erfahren haben. Ein Ort voller Gewalt, Schmerz, Verzweiflung und Trauer, der mir persönlich zu einem besseren Verständnis der kambodschanischen Geschichte und der Mentalität der Bevölkerung verholfen hat. Gerade hier habe ich die Abgründe in Kambodscha erfahren, denen so viel Schönheit und machtvolle Schöpfung gegenübersteht, wie ich an unserem nächsten Ziel erfahren habe. Doch bevor ich dazu komme, soll noch erwähnt sein, wie viel Glück wir mit unserer Unterkunft hatten. Im Blue Dog Guesthouse haben wir eine Menge nette, interessante Menschen getroffen und die Betreiber der Bar, sowie Besitzer sind sehr herzliche, lustige, nette Menschen, mit denen ich gerne die Abende verbracht habe. Deswegen war uns direkt klar, dass wir hier unsere Reise ausklingen lassen werden. Nebenbei hatten wir einen lustigen, feucht - fröhlichen Start ins neue Jahr.
Unsere nächste Etappe hieß Siem Reap, oder viel mehr die Tempel von Ankor. Mit dem Bus sind wir in Richtung nord-west gefahren, um ein paar Tage dort zu verbringen. Grundsätzlich hat mir Siem Reap als Stadt nicht so gut gefallen. Das Angebot ist enorm und reicht von einer Pubstreet voller Bars, über teure Hotels, bis hin zu einem endlosen Restaurantangebot. Klingt alles in allem nicht schlecht, aber mir erschien es nicht all zu authentisch. Neben dem ein oder anderen sehr gediegenem, schmackhaftem Essen, einem Ausflug in das ländliche Kambodscha, stand der Besuch der Tempel natürlich über allem. Wir sind früh morgens aufgestanden, hatten uns am Vorabend Fahrräder gemietet und haben uns dann auf den Weg zu dem "Himmel auf Erden" gemacht. Schon von weitem im schimmernden Licht des Sonnenaufgangs thront Ankor Wat wie eine nicht irdische Erscheinung über allem. Ein imposanter, atemberaubender Anblick, der meine Kieferklappen weit nach unten fallen ließ. Es fiel mir schwer vorzustellen, dass solch ein Werk aus Menschenhand hervorgegangen ist. Ankor ist die weltliche Verkörperung des Bergs Meru - hinduistischer Olymp und Wohnsitz der Götter. Die Angor-Ära dauerte von 802 bis 1432 und die Tempel waren Zentrum des politischen, religiösen und sozialen Lebens. Während London damals lediglich 50.000 Einwohner zählte, lebten hier zur Blütezeit über eine Million Menschen. Im Laufe des Tages haben wir mehrere Tempel erkundet, die mich tief ergriffen haben. In Worte zu fassen vermag ich dies nicht. Nach dem Tempel Ankor Wat, haben wir Ankor Thom besichtigt. Dies stellt eine Stadt dar, die sich über mehr als 10 km² erstreckt und wo die Menschen quasi mit den Göttern zusammengelebt haben. Sie ist umgeben von einer zwölf km langen und acht Meter hohen Mauer. Im Zentrum befindet sich der Bayon. Dieser Tempel erschien mir als das Größte was ich je in meinem Leben gesehen habe. Seine Erscheinung, im nachhinein betrachtet, stellt für mich das Werk eines Gottes dar, unvorstellbar, das Menschenhände so etwas geschaffen haben. Es fehlt mir an Superlativen um dieses Bauwerk zu beschreiben. Nachmittags haben wir uns noch den Ta Prohm angeschaut, der vielleicht nicht so überwältigen wirkt, in dem Sinne eines Geniestreiches, aber viel mehr Ehrfurcht vor der Größe der Natur abverlangt. Dieser Tempel bzw. seine Ruinen sind überwuchert von gigantischen Baumwurzeln und diese Synthese ist ein großer Anblick, wie die Natur sich dieses Tempels bemächtigt hat und mit ihm verschmilzt. Es war ein unvergesslicher Tag und mein Fassungsvermögen war mehr als überfüllt. Aufgrund unserer relativ knapp bemessenen Zeit haben wir uns die Tempel nur einen Tag angeschaut, doch möchte ich hier gerne mal eine Woche verweilen, um mich den vielen anderen Tempeln in Ruhe zu widmen. Ein unvermeidbare Übel sind die Touristenmassen, die es etwas schwerer gestalten zur inneren Ruhe zu finden, doch werden die Tempel absolut ihre Wirkung haben.
Von Siem Reap sind wir dann wieder mal mit dem Bus weiter westlich gefahren zu unserer dritten Station – Battambang. Dort finder man die alte französische Kolonialarchitektur und es ist eine nette Mélange aus ruhiger Atmosphäre und den Vorzügen einer größeren Stadt. Dort waren wir nur relativ kurz, doch haben wir auch hier ein außergewöhnliches Erlebnis gehabt – der Bambuszug. Ein Holzrahmen mit Leisten aus Bambus, der auf zwei hantelartigen Achsen mit ca. 20 km/h auf holprigen Schien fährt. Ein richtiges Abenteuer. Mit gefühlten 40 km/h sind wir mitten durch die wunderschöne Landschaft Kambodschas gerattert. Ein Stop mit kleiner Erfrischung, Begegnung, inklusive lustigem Armdrücken, mit den Kindern der Ladenbesitzer und einem herrlichen Sonnenuntergang auf dem Rückweg. Danach hat sich Maris von uns verabschiedet, weil sie schon früher nach Indonesien zurückgeflogen ist. Wir haben dann unsere vorletztes Ziel - Shianoukville, eine Strandstadt im Süden angepeilt.
Nach einer sehr ausgedehnten Busfahrt sind wir endlich angekommen und haben unser Bungalow in einem der angesagtesten Backpacker-Schuppen - der Monkey Republic - bezogen. Daraufhin haben entspannte Tage am Otres Beach unseren Urlaub versüßt. Ein ruhigerer Strand an dem wir dem ganzen Partytrubel dieser Stadt entfliehen konnten. Herrliche Sonnenuntergänge, einsame Strände und eine Bootstour mit anschließendem Grillen des eigenhändig gefangenen Fischs haben den Höhepunkt dieses Aufenthalts gebildet (ich selber habe nicht gefischt). Außerdem eine entspannte Reggaebar mit einem glühenden Bob Marley Fan als Besitzer, weitere interessante Begegnungen und ein Eintauchen in das Nachtleben Shianoukvilles. Auch hier haben wir die entspannte Atmosphäre mehr als genossen. Um langsam wieder in Richtung Indonesien zu kommen, haben wir dann unsere letzten beiden Tage wieder im Blue Dog Guesthouse in Phnom Penh verbracht. Es war der krönende Abschluss eines wunderbaren Urlaubs!!!
Alles in allem bin ich mehr als fasziniert von Kambodscha. Kulinarischer Hochgenuss, freundliche Menschen, Natur, Tempel und Strand. Ich habe dennoch die Höhen und die Tiefen dieses Landes in relativ kurzer Zeit erlebt. Auf der einen Seite die blutige Geschichte, die immer noch Einfluss auf die Gegenwart hat, negative Erscheinungen des sich ausweitenden Tourismus und auf der anderen Seite der Himmel auf Erden bei den Tempeln von Ankor und atemberaubende Naturanblicke. So erklärt sich der Stolz, das Lachen der Kambdoschaner, während auf der anderen Seite noch die Wunden der Vergangenheit schmerzen und neue zu schaffen machen. Zwei Wochen voller Gegensätze, wobei ich mich glücklicherweise von keinem habe einnehmen lassen.
Bald gibt es wieder mehr aus Indonesien. Hier hat mittlerweile die Regenzeit angefangen, es ist ein bisschen kühler geworden und ich bin glücklich wieder bei (meinen) Kindern zu sein.
Ganz liebe Grüße
Euer Paul
"Unser" Tuk-Tuk Fahrer
Phnom Penh
Ankor Wat im Sonnenaufgang
Ausflug in das ländliche Kambodscha um Siem Reap
Gruppenfoto vor Ankor Wat
Ankor Wat
Eingang nach Ankor Thom
Bayon
Ausblick von Ankor Wat
Bayon
Bayon
Ta Prohm
Wassergraben um Ankor Wat ( kein Vergleich zum europäischen Burggraben)
der Bambuszug
Ta Prohm
Otres Beach
Sonnenuntergang auf dem Bambuszug
Fischen beim Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Otres Beach
Sonnenuntergang vom Boot
Entschuldigt Rechtschreib- und/oder Grammatikfehler. Ich bin mittelschwer müde und meine Konzentration lässt zu wünschen übrig :).





















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