Nach Beratung und Diskussion mit meinem Chef, Mas Hidayat,
und den Kindern, haben wir uns entschlossen einen Teil des Spendengeldes für
eine Einkaufstour auszugeben. Im Waisenhaus gab es diverse Dinge nicht, die wir
als notwendig erachtet haben und so haben wir einen Ausflug nach Pekalongan in
ein Einkaufszentrum geplant.
Nachdem die Kinder alle aus der Schule zurück waren, haben
wir uns in ein gemietetes Büschen gesetzt und sind losgefahren. Die Kinder
waren alle aufgeregt, schließlich gehört so was nicht zum Alltag und haben sich
alle vorher geduscht, ihre guten Klamotten angezogen und je nach Verfügung noch
Kappen aufgesetzt.
Als wir dann im Einkaufszentrum angekommen sind, wurden sich
Einkaufswägen geschnappt und ab ging die Post. Alle sind wie wild durch die
Gänge gewuselt, um die Dinge von der Liste zu finden. Neben kleinen Fang- und
Versteckspielen haben wir so nach und nach alles von unserer Liste gestrichen,
während die Wägen immer voller geworden sind. Von einem Schuhregal und Kommode
über Unterhosen und Sandalen bis hin zu einer Notfalllampe und Handtüchern.
Jede Kleinigkeit wurde akribisch gesucht, Preise verglichen und dann
eingeladen.
Die Kinder hatten ein chronisches Grinsen im Gesicht und
hatten ihre liebe Mühe, die Einkaufswägen unbeschadet zur Kasse zu bringen.
Fußball, Federballschläger- und Bälle, Waschmittel, Wäschekörbe, Teekanne,
Spiegel, Wäscheleine, Besteck und und und.
Als dann alles bezahlt war und ich einen ca. 50cm langen
Beleg hatte, sind wir dann noch zum Verkaufsstand von Dvds gegangen, wo sich
jedes Kind eine aussuchen durfte. Nach langem Überlegen, wohl getroffenen
Entscheidungen, haben wir dann die neuen Errungenschaften im Büschen verstaut.
Doch wer so intensiv einkauft, braucht natürlich auch noch eine kleine Stärkung. So haben die Kinder zum ersten Mail in ihrem Leben Pizza gegessen. Dazu gab es einen klassichen indonesischen Eistee. Während die Kinder ihre Pizza gemümmelt haben, hatte ich das Glück, ganz versunkene, aber glückliche Kinder zu sehen, deren Horizont in diesem Moment nichts außer Pizza war. Die neue Mahlzeit wurde explizit analysiert und später mit dem prädikat "sehr lecker" versehen. So haben wir uns dann alle erschöpft, satt und glücklich auf den Rückweg gemacht, auf dem nicht nur ein paar Augen zufallen sollte. Angekommen im Waisenhaus wurden die neuen Errungenschaften schnell ausgeladen, um dann nicht die letzte Dvd an diesem Abend anzumachen.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bedanken, bei all den lieben Menschen, die mir diesen Aufenthalt und die weiteren Aktionen ermöglicht haben.
Liebe Grüße
Euer Paul
Pizza IST der Horizont, das sind die Menschen doch alle gleich!Es heisst ja auch bei uns: " Liebe geht durch den Magen!" So einfach kann das sein. Während wir uns in den westlichen Industrieländern Gedanken machen über Begrifflichkeiten wie " Gastrosexuality", von Kochsendungen überflutet werden, stellt sich ja schon die Frage ( gerade aus unserer Sicht): Wie schlecht muss es einem Menschen gehen, dass er sich schämt, wenn sein Reisrisotto an Steinpilzen mit Dorschfilet nicht so gut gelungen ist, um in der nächsten Kochrunde gewinnen zu können. Was sind das überhaupt für Sendeformate zur " Prime- Time"? Das " Promi- Koch - Duell", " Lafer , Lichter. Lecker")?
AntwortenLöschenBei Dir sind solche Fragen wichtig und real, bei uns bezeichne ich so etwas als " Sozialpornographie"! Jedem Bürger wird gezeigt was er sehen will ( auf der einen Seite), um nachher festzustellen, dass es anderen Menschen ja noch viel schlechter geht! Dieser " Bottom Down Ansatz" ist und bleibt eine Geißel der Menschheit. Du erlebst es zur Zeit anders, bewahre dir das! PS: Pizza IST der Horizont ( sic!)